Die erste Woche

Vor einer Woche, am 14.08.2019, begann meine Reise in mein erstes Jahr weg von meiner Heimat Dresden. Mittags verabschiedete ich meine Familie am Hauptbahnhof und machte mich mit einem großen Berg Gepäck auf Richtung Frankfurt. Für die erste Stunde im Zug durchzog mich noch ein trauriges Abschiedsgefühl, während die Landschaft Mittelsachsens zwischen Dresden und Leipzig immer fremder wurde und ich so Abschied von meiner vertrauen Heimat nahm. Diese Gefühle in meinem Tagebuch zu notieren und mir bewusst zu machen, dass auch meine Mitfreiwilligen wahrscheinlich ähnliches durchmachen, half mir aber sehr die Abschiedsgefühle in Vorfreude zu verwandeln und so die weitere Reise durch die Hügel Thüringens und Hessens zu genießen. Am Flughafen angekommen, genossen meine Mitfreiwilligen und ich die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Frankfurter Flughafens bevor wir gegen halb elf Richtung Istanbul abhoben. Nach einem ruhigen Flug mit „Mortal Engines“ im Bordentertainmentsystem landeten wir mitten in der Nacht nach etwa 3 Stunden in Istanbul, wo wir hauptsächlich schlafend die Wartezeit überbrückten, bevor uns das nächste Flugzeug kurz nach 6 Uhr Ortszeit gen Tbilisi brachte.

Angekommen am Flughafen von Tbilisi wurden wir nach einer Weile des Wartens auf unser Gepäck von unseren Landesmentoren Levan und Megi in Empfang genommen und erstmal zum etwas ausruhen und schlafen in unsere Unterkünfte gebracht. Auf der Fahrt vom Flughafen fühlte ich mich sehr an Spanien erinnert und auch ein paar Tage später würde ich sagen, dass Tbilisi viel mediterranen Flair ausstrahlt, was auch von den zur Zeit sehr warmen Temperaturen von über 30° C begünstigt wird. Ich wohne jetzt seit einer Woche bei Iva, einem ehemaligen Süd-Nord-Freiwilligen der auch schon im letzten Jahr einen der deutschen Freiwilligen beherbergt hat und mit dem ich mich gut verstehe, nicht zuletzt wegen unserem gemeinsamen Hang zu US-Comedy-Shows, wie „Last Week Tonight“.
Nach einigen Stunden Schlaf ging es dann zum ersten Mal in die Stadt, wo wir uns bei meiner Partnerorganisation EthicFinance trafen und ich so schonmal meine zukünftige Arbeitsstelle kennenlernen durfte, bevor uns Levan über den Rustaveli Avenue (eine der Hauptstraßen von Tbilisi) führte, an dem sich etwa das Parlamentsgebäude, verschiedene Museen und die Oper zwischen den zahlreichen Shops und Cafés einreihen. In der Nähe des Liberty Squares, an dem der Rustaveli Avenue endet, genossen wir dann unser erstes großes georgisches Essen mit Chatschapuri (im Prinzip Pizza mit nur Käse), sehr leckerem georgischen Käse, Lobio (Bohnen) und Maisbrot, das mit dem Käse sehr empfehlenswert ist.

Rustaveli-Theater

Liberty Square

Das erste Essen
Auch der Freitag darauf gestaltete sich ähnlich. Nach einer kurzen Seminareinheit mit Levan wurde es Zeit sich um das Organisatorische zu kümmern, also Geld abheben und neue georgische SIM-Karten, sowie Karten für den Nahverkehr in Tbilisi, der mit einer Art Prepaidkarten funktioniert, die man mit einem bestimmten Betrag laden kann und dann im Bus, in der Maschrutka (Minibus) oder in der Metro nur gegen einen Sensor hält um für die Fahrt zu zahlen. Darauf nahmen wir uns weiter Zeit die Stadt zu erkunden, diesmal auch um einen Überblick zu bekommen, von oben, von der Narikala-Festung, zu der eine Seilbahn über die Mtkwari (Fluss durch Tbilis) führt. Von oben bekommt man einen fantastischen Ausblick über die Altstadt und den botanischen Garten auf der Rückseite des Bergrückens. Auf dem Weg nach unten(diesmal zu Fuß) konnten wir auch einen Blick auf die Schwefelbäder werfen, die Tbilisi seinen Namen geben (georg.: tbili – warm).

Blick aus der Gondel Richtung Sameba-Kathedrale

Blick über die Altstadt und die Mtkwari und die neue Friedensbrücke (Mitte)

Die Schwefelbäder

Am Tag darauf (Samstag, 17.08.) durften wir dann unsere erste Georgisch-Stunde mit unserer motivierenden und motivierten Lehrerin Lela genießen. Für den Anfang halten wir uns bisher an das Buchstaben lernen (33 neue Buchstaben sind nicht ohne aber ich habe das Gefühl, dass es von mal zu mal besser wird) und Redewendungen für die Begrüßung und ähnliches, sowie Essen und Zahlen, was wir gestern (21.08.) auch mal alleine im Restaurant mit mehr oder weniger erfolgreich funktioniert hat. Am Nachmittag folgte dann ein Seminarteil von Levan zur Geschichte Georgiens, die aufgrund der geostrategischen Lage sehr interessant ist und wo sich die Einflüsse vieler verschiedener Kulturen zeigen. Fun Fact: Es gab zur Zeiten des römischen Imperiums laut Levan eine Statue des damaligen georgischen Königs in Rom, da dieser quasi das Bollwerk gegen Nomaden im heutigen Russland bildete.
Der Abend führte uns dann mit einer Standseilbahn noch höher hinaus auf den 730m hohen Mtatsminda, wo sich der Fernsehturm, ein Vergnügungspark und ein Restaurant finden, in dem wir unsere ersten Khinkali (Teigtaschen mit Fleisch- oder anderer Füllung) genossen.
Die folgenden Tage verbrachten wir dann nach dem Georgisch-Unterricht etwa in der Fabrika, einem Hostel in einer früheren Fabrik, wo sich im Hinterhof viele Cafés finden und das mit seinem bunten Graffiti und den Wimpel- und Lichterketten sehr an die Dresdner Neustadt erinnert. Aufgrund der Hitze haben wir am nächsten Tag ein wenig Abkühlung am Lisi Lake gesucht, der zwar etwas steinig und schlammig ist, aber für eine Abkühlung trotzdem sehr angenehm ist.
Gestern Abend stand dann auch noch der neue Tarantino-Film „Once upon a Time in Hollywood“ im Kino von Tbilisis Konsumtempel „Galeria Tbilisi“ auf dem Programm; ein durchaus verwirrender Film, wenn man die reale Hintergeschichte nicht kennt, über die mich meine Mitfreiwillige Sofia nach dem Film etwas aufgeklärt hat.

Der abendliche Ausblick von Mtatsminda

Abendstimmung mit Neustadt-Feeling in der Fabrika

Sonnenuntergang am Lisi Lake
In den nächsten Tagen erwarten uns dann noch einige Museen, mehr Georgisch-Unterricht und am Sonntag ein Ausflug in die alte Hauptstadt Georgiens Mzcheta.
Die erste Woche habe ich sehr genossen, ich fühle mich sehr wohl hier und es fühlt sich auch gut an mal wieder volle Tage zu haben nach dem vielen Rumgedümpel nach dem Abi. 🙂
