Tiere, Kirchen und Tschatscha

Nun sind es schon zwei Wochen in Georgien und ich habe das Gefühl das langsam eine Art Normalität einkehrt. Früh halb neun klingelt der Wecker, dann zeit für eine runde morgendliches Workout, duschen und dann auf ins Büro von EthicFinance zum Frühstück mit den anderen. Vielleicht hätte ich vor ein paar Monaten die Person ausgelacht, die mir sagt, dass bald mein Frühstück aus Haferflocken, Joghurt (Matsoni) und Früchten, statt dem üblichen Nutellabrötchen bestehen würde aber jetzt ist auch das zu einer Art Normalität geworden. Um 11 Uhr beginnt dann unser 3-stündiger Sprachkurs, wo wir, wie ich finde, schon viel gelernt haben, uns aber trotzdem etwa mit Dativ- oder Possesivfall und Pluralformen herumschlagen. Gestern haben wir auch zu allem eine Art Übersicht erstellt, was wir bisher gelernt haben bzw. wie wir auf viele verschiedene Fragen zu Personen wie uns selbst aber auch Familie oder Freunden antworten können. So etwas hilft, in meinen Augen, sehr sich einmal ins Gedächtnis zu rufen, was wir schon alles in nur ein paar Tagen gelernt haben und wir haben ja noch viel, viel mehr Zeit vor uns unsere Sprachkenntnisse zu erweitern und zu festigen.

Anschließend sind wir nachmittags und abends normalerweise unterwegs in Tbilisi, mittlerweile auch häufiger ohne Levan aber auch mit ihm, etwa am Kus Tba, dem Turtle Lake, einem kleine See auf dem Berg, wo aber eine Zipline über das Wasser führt und aus fetten Boxen der Strandbar Musik dudelt, sodass eine gewisse Geräuschkulisse besteht, was mich aber nicht davon abhielt die Zeit am See zum Teil schlafend zu verbringen („Once upon a time in Hollywood“ hat zumindest schlaftechnisch Spuren hinterlassen). Nach Turtle Lake genossen wir ein Abendessen mit, wie fast immer, viel Essen, besonderm Wein aus der Region Racha und einem phänomenalen Ausblick über die Stadtbezirke Vake und Saburtalo.

Den Samstag darauf verbrachten wir nach dem Sprachkurs entspannt in einem kleinen Café am Rustaveli Avenue, wo die dortige Katze mich anscheinend schnell ins Herz geschlossen und meine Streicheleinheiten sichtlich genossen hat. Sie wurde „Ingrid“ getauft, ob sie einen anderen Namen hat wissen wir aber nicht. Neben der Katze bot das Café auch die Möglichkeit nochmal einige der zuvor gelernten Vokabeln durchzugehen. Nach dem Café kehrten wir in einem Restaurant in der Nähe des Liberty Squares ein, wo ich, der Tradition meines Vaters und Großvaters folgend, die übriggebliebenen Khinkali verspeiste und so nach dem Essen mit sechs Teigtaschen im Bauch Richtung Fabrika rollte um mit unserem ersten georgischen Tschatscha (Schnaps) nachzuspülen.

Ich vs. die letzte Khinkali

Der sprachkursfreie Sonntag ließ uns den Raum zum ersten Mal Tbilisi zu verlassen und uns auf unseren Ausflug in eine der historisch und religiös wichtigsten Städte des Landes, Mzcheta, zu machen. Die kleine Stadt am Zusammenfluss von Mtkvari und Aragvi war lange die Hauptstadt des Iberischen Reiches, einem Vorgängerstaat des heutigen Georgiens. Hier soll der Legende nach ein Engel im 4. Jh. bei der Errichtung einer der ersten Kirchen geholfen haben, die als Ausgangspunkt des Christentums in Georgien gilt. Heute steht an dieser Stelle die beeindruckende Svetizchoveli-Kathedrale aus dem 11. Jh. mit ihren dicken Mauern, beeindruckenden Fresken und natürlich vielen Besuchern. Der Legende nach soll in der Kathedrale das Gewand Christi begraben liegen, dass über die jüdische Gemeinde von Mzcheta seinen Weg nach Georgien gefunden haben soll.

Die Svetizchoveli-Kathedrale

Im Inneren der beeindruckenden Kirche

Liegt in diesem Schrein das Gewand Christi?

Über der Stadt auf der anderen Flussseite thront das Dschvari-Kloster, die erste Station auf unserem Ausflug. Es wurde an einer Stelle gebaut, an der die heilige Nino, die das Christentum nach Georgien brachte, ein Kreuz errichtete. In der Mitte des Klosters steht auch heute ein großes Holzkreuz. Sonst ist aber auch das Dschvari-Kloster, nicht zuletzt wegen des Blickes über Mzcheta und nach Norden bis in die Berge des Kaukasus ein sehr touristischer Ort. Die Eidechsen an der Klostermauer scheint das aber nur bedingt zu stören.

Das Dschvari-Kloster

Die beeindruckende Aussicht

Eidechsen an der Mauer

Auch die beiden folgenden Tagen war die Fabrika wieder unser Anlaufpunkt. Das Fitness-Programm am Montag war aber leider nicht mehr vorhanden, stand also nur noch im Plan, weswegen wir uns auf den Weg in einen Park nahe EthicFinance machten, wo sich einige Geräte zum noch ein bisschen Sport treiben befinden. Das Yoga am Dienstag fand dann aber statt und naja, ich hätte nicht gedacht, dass Yoga so weh tun kann. Zumindest bietet das Rooftop (Dach), der Fabrika auch eine schöne Aussicht. Trotzdem war das Yoga eine gute Möglichkeit auch andere Leute kennen zu lernen und gemeinsam die Schmerzen zu beklagen (Zwinkersmiley). Auch der Mittwochabend bot eine ähnliche Gelegenheit, bei einem internationalen Treffen und Tschatscha neue Menschen kennenzulernen. Auf dem Nachhauseweg, ich bin zu faul fürs Taxi nehmen und nach Mitternacht fahren keine Busse mehr, wurde ich die letzten beiden Nächte von einem Straßenhund begleitet, der für wahrscheinlich 10-15 Minuten den Gorgassali Avenue entlang an meiner Seite gelaufen ist. Für diesen Hund fehlt mir allerdings noch ein Name.

Zusammengefasst würde ich sagen, war dies eine Woche der Ausblicke und Aussichten über Mzcheta oder Tbilisi und aber auch eine Woche neuer Begegnungen, mit Menschen aus dem Libanon, aus Aserbaidschan oder den USA aber auch mit Tieren, wie Ingrid der Café-Katze, den Eidechsen von Dschvari oder meinem/r Hundebegleiter*in. Für den Moment kehrt Normalität ein, was sich aber wahrscheinlich noch einmal sehr verändern wird wenn wir am 9. September in unsere Projekte starten.

2 Kommentare zu „Tiere, Kirchen und Tschatscha

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