Von Langeweile zu ziegelroten Dächern

Was regt mich an diesen Titel zu schreiben, der ja schon erstmal sehr negativ klingt? Was ist diese Woche passiert und wie gehe ich damit um? Diese Fragen habe ich mir diese Woche auch gestellt. Ganz nüchtern gesagt: Es gab diese Woche einfach nur wenig zu tun. EthicFinance fängt gerade erst wieder an zu arbeiten und eine Situation, wie ich sie schon in der vorherigen Woche bei Coalition Homecare erlebt habe trifft leider auch auf EthicFInance zu. Wenn ich meinen Kollegen Levan, dem ich am Dienstag geholfen habe das Büro umzuräumen und einzurichten, richtig verstanden habe, darf die Organisation aufgrund eines Gesetzes keine Kredite von ausländischen Investoren/Partnern in US-Dollar annehmen, weshalb die Ethic Capital-Sparte, die als Mikrokreditgenossenschafft agierte, dem Ende zugeht. Übrig bleiben das Projekt Sobissuri bei Gori und EthicFinance, die Verwaltung des Projekts. Schon dadurch gibt es einfach weniger Aufgaben, nicht nur für mich, sondern generell. Für mich persönlich hat diese Problematik die Woche auch überschattet, da es mich, wie schon bei Coalition Homecare, traurig macht zu sehen, wie NGOs in ihrer Arbeit, in die über Jahre viel Energie und Leidenschaft geflossen ist, eingeschränkt sind und so einzugehen scheinen.

Mich aber an den Abenden mit Lillian und Anna zu treffen, die beide hier in Tbilisi ihre Partnerorganisationen haben, war dahingehend für mich aber eine große Erleichterung um den Raum zum Austausch zu haben, Probleme und Schwierigkeiten zu besprechen oder einfach nur das Wissen zu haben, dass wir einander zuhören und uns wenn möglich unterstützen können.

Am Mittwoch durfte ich dann meinem anderen Kollegen, Toko, helfen 50 Flaschen Apfel- und Traubensaft vorzubereiten, inklusive Flaschen putzen und etikettieren und dann an zwei Hotels in Tbilisi auszuliefern, was ich genossen habe; Ich hatte immerhin etwas zu tun. Danach wurde es dann etwas schwieriger. Den Donnerstag und Freitag war Arbeitsflaute und ich habe gemerkt, dass es wahrscheinlich eine meiner größeren Herausforderungen werden könnte, meine Freizeit oder arbeitsfreie Zeit sinnvoll oder zumindest halbwegs sinnvoll zu gestalten. Das aber zu erreichen, hat mich diese Woche auch beschäftigt, nach dem Motto: „Ist es schlecht, wenn ich es langsam angehen lasse und dann aber in alte bzw. gewohnte Verhaltensweisen zurückfalle und ich mich so nicht aus meiner Komfortzone bewege und sich letztendlich nichts für mich verändert.

Um Tbilisi zu entfliehen und in meinem Fall, etwas vor zu haben, machten wir drei uns am Samstag auf den Weg in die kleine Stadt Sighnaghi, ein Ort im Südosten Kachetis, der für seine renovierten Dächer mit italieneischem Flair bekannt ist. Früh gegen halb elf trafen wir uns dafür an der Isani Metro Station um ein Taxi zu finden, das uns in die Weiten Kachetis bringen sollte. Es stellte sich einfacher heraus, als wir uns es gedacht hätten. Direkt vor der Metrostation wurden wir von einem Fahrer plus Dolmetscher angesprochen, der anbot uns nach Sighnaghi zu fahren. Nach einer kurzen Wartezeit verließen wir dann mit drei anderen Mitreisenden die Stadt, zwar nicht immer im schnellsten Tempo, aber letztendlich kamen wir nach einer wahrscheinlich etwa 2-stündigen Autofahrt durch die sanften Hügel, Ebenen und bewaldeten Bergrücken durch Kacheti an unserem Zielort an. Im schönsten Spätsommersonnenschein machten wir uns auf das kleine Städtchen zu erkunden, vorbei am Rathaus, durch einen Park mit einem Musiker und vielen Souvenirständen zu einer Kreuzung, an der sich der weite Blick über einen Teildes Ortes und das dahinterliegende weite Tal des Alasani bis zu den hohen Bergen des östlichen großen Kaukasus an der russischen Grenze.

Nach einer kurzen Weile des weiteren Spazierganges packte uns dann der Hunger auf ein wohlverdientes Mittagessen und wir genehmigten uns einige Khinkali, Chatschapuri und Tomaten-Gurken-Salat, komplementiert mit frischem Pfirsichsaft. Nach einiger Zeit des Essens und des Trauben von den über unseren Köpfen wachsenden Reben mopsen, machten wir uns dann auf den Weg weiter den Ort zu erkunden. Nach dem Besuch eines alten Wehrturm der Stadtmauer, einem hervorragenden Aussichtspunkt, ging es dann in den tieferliegenden Teil Sighnaghis, zur grasbewachsenen Kirche und zu einem weiteren Spaziergang an der alten Stadtmauer. Auf dem Rückweg zur Ortsmitte und zur Marschrutka für den Rückweg genossen wir noch Kaffee bzw. Tee auf der schönen Terasse eines kleinen Cafés. Am Abfahrtspunkt der Marschrutka angekommen, war diese leider schon voll und wir mussten mit einem Taxifahrer verhandeln, der uns zurück nach Tbilisi bringen könnte. Letztendlich ließ er sich, nach dem wir sein erstes Angebot von 80 Lari (Hinweg 10 Lari pro Person) auf 45 Lari herunterhandeln und so machten wir uns, mit zwischenzeitlichem Taxiwechsel auf den Rückweg in einen strahlend roten Sonnenuntergang. Und jetzt: natürlich die Bilder des Ausfluges

Taxifahrt nach Sighnaghi

Auf dem Weg durch die Berge Katchetis/Kachetiens

Stopp an einer kleinen Tankstelle

Das Rathaus von Sighnaghi

Nein, es sind Wolken, kein Schnee

Ausblick über Sighnaghi und das weite Tal

Die Trauben im Restaurant

Aussicht vom Wehrturm der Stadtmauer

Kirchturm und Teppichverkauf

Noch ein Turm der Stadtmauer

Eine letzte Ortsansicht, weils so schön ist

Ein Tag geht zu Ende

Diesmal ein wahrscheinlich nicht so langer Beitrag, aber einer der mir sehr leicht gefallen ist zu schreiben, vielleicht auch dadurch einmal meine Herausforderungen zu beschreiben, die z.B. auch noch nicht das Essen einkaufen für mich alleine enthalten 😉

Morgen geht es dann zum ersten mal nach Sobissi und ich hoffe, dass der nächste Blogeintrag wieder von mehr guten Gefühlen und Eindrücken geprägt ist.

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten