Klein und Groß

Mein Wochenende war etwas voll, sodass ich nicht wirklich zum Blog schreiben gekommen bin. Deswegen ist das jetzt der Nachtrag zur Woche vom 16.-22.09. und der Blogeintrag zur folgenden Woche kommt dann hoffentlich am Wochenende wieder. Da ich die Woche nicht viel zu tun hatte, werde ich mich in diesem Blogeintrag auch ein bisschen genereller mit der aktuellen Klimapolitik auseinandersetzen, da es ein großes Thema ist, was mich seit dem Ausreiseseminar in Berlin aber die vergangene Woche besonders intensiv beschäftigt hat.

Fangen wir aber vielleicht doch am Wochenanfang an, am Montag, meinem einzigen Arbeitstag der vergangenen Woche. Mit Tornike „Toko“ habe ich mich auf den Weg in das kleine Dorf Kvemo Sobissi in der Nähe der Stadt Gori nahe der de facto Grenze zu Süd-Ossetien gemacht. In diesem Dorf befindet sich das Projekt Sobissuri, das mit regionalen Erzeugnissen Produkte wie Apfel- und Traubensaft, sowie passierte Tomaten, Essig oder anderes eingelegtes Gemüse herstellt. Von Tbilisi fährt man zu erst etwas nach Norden, bevor man kurz nach der Durchfahrt zwischen Mzcheta und dem Berg des Dschvari-Klosters nach Westen abbiegt und durch das weite Tal zwischen den Ausläufern des großen Kaukasus im Norden und denen des kleinen Kaukasus im Süden fährt. Kurz vor Gori führt eine etwas holprige Straße in das Dorf, das eine sehr andere Atmosphäre als das laute und chaotische Tbilisi ausstrahlt. Angekommen helfe ich Toko einige der Tomatengläser die wir aus Tbilisi mitgebracht haben, und die weiter nach Mestia gehen, wie er mir später erklärt, ins Lager zu Räumen und er gibt mir einen Überblick über die restlichen Produkte, die im Lager stehen, von mehr Tomaten und riesigen Essigfässern bis zu Gläsern eingelegter Kolchischer Pimpernuss (Dschondscholi). Sollte euch der Name nichts sagen, seid beruhigt, ich kannte ihn auch nicht. Beim Mittagessen fragt mich eine der Mitarbeiterinnen auf deutsch wie ich heiße, ich antworte auf georgisch „Me mkvia Alwin“, zumindest das kann ich. Den Rest der Konversationen verstehe ich allerdings nicht bzw. nur einzelne Worte. Bevor wir uns auf den Rückweg machen laden wir einige Kästen Apfel- und Traubensaft ins Auto. Die Flaschen dafür reihen sich in einem extra Lager zu beeindruckenden Mengen auf. Auf dem Rückweg bescheint die Sonne die beeindruckenden, schroffen Gebirgsstrukturen und Toko fährt extra etwas langsamer, damit ich ein Foto machen kann.

Der Weg nach Sobissi

Die Apfelplantage/Wiese/…, die Berge im Hintergrund sind bereits Süd-Ossetien

Der Garten von Sobissuri

Hier findet sich das kleine Dorf auf der Karte, und ja, es gibt dort super Netz

Das Tomaten- und Essiglager

Nein, kein Saftladen, aber das Saftlager

Soviel zu meinem einen Arbeitstag in Sobissi und jetzt dazu, warum mich die Klimapolitik diese Woche sehr beschäftigt hat. Nicht nur war sie die Woche des neuen Groko-Klimapakets und riesiger Klimastreiks in der ganzen Welt, sondern auch für mich persönlich eine in Teilen fordernde Woche. Es begann mit einigen, sagen wir mal nicht ganz so schönen Kommentaren meines ehemaligen Fußballtrainers, der mit dem Aufruf des CVJM zum Klimastreik am 20. September nicht einverstanden war. Die Kommentare haben mich dann dazu veranlasst einen Brief, mit Kritik an diesen Kommentaren zu schreiben und einer anschließenden langen WhatsApp-Diskussion bis hin zum Thema ist Kohlenstoffdioxid aus menschengemachten Quellen wirklich verantwortlich für die Erderwärmung, was eine Diskussion war, von der ich gehofft hatte, sie eigentlich nicht führen zu müssen, denn es gibt sehr klare Beweise dafür. Ohne CO2 als Treibhausgas hätten wir auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von etwa -18°C und auch wenn das Gas nur einen geringen Anteil am Luftvolumen hat, ist es das am häufigsten vorkommende Treibhausgas, wodurch schon kleine Veränderungen in der Konzentration große Auswirkungen haben. Deswegen sollten wir uns, wie ich finde, Gedanken machen, wie wir nicht nur als Land, sondern auch privat CO2-Ausstoß reduzieren können, den das aktuelle Klimapaket wird es nicht schaffen in den Zielsetzungen des Pariser Abkommens zu bleiben. Als ich am Freitag die Ergebnisse und Meinungen dazu gehört habe, musste ich an ein Gespräch zurückdenken, dass einige andere Freiwillige und ich mit der Klimaexpertin von Brot für die Welt hatten. Ihre größte Befürchtung war es, nicht das z.B. die AfD gar keinen Klimaschutz betreibt, sondern dass halbherzige Maßnahmen der CDU und SPD kommen, diese aber so gut wie nichts verändern werden und ich habe das Gefühl, genau das ist letzten Freitag eingetreten. Eine weiterer Diskussionspunkt auf WhatsApp und auch beim Seminar in Berlin war unsere globale Verantwortung. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und Deutschland, sowie die meisten anderen Staaten des globalen Nordens sind für einen großen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Unter den Folgen des Klimawandels werden aber nicht wir primär leiden sondern Menschen, die sowieso schon unter Armut und lokalen und globalen Ungerechtigkeiten leiden, Menschen, die etwa in Bangladesch ihr Haus verlieren, weil es unter Wasser steht oder Menschen, die von den Dürren der Sahelzone betroffen sind. Das soll nicht heißen, dass wir keine Folgen spüren, die Sommer der letzten Jahre haben das eindrücklich gezeigt, aber wir haben Möglichkeiten damit umzugehen und womit haben wir als Deutsche das Recht verdient, die Lebenssituation von Menschen in anderen Ländern zu verschlechtern, indem wir weitermachen wie bisher? Ich glaube, dass zwar auch von Seiten der Politik mehr kommen sollte, aber auch wir als einzelne Personen können dabei helfen, indem wir vielleicht mal das Auto stehenlassen, wenn es anders geht, darauf achten regionaler einzukaufen oder auch weniger Fleisch zu essen kann alles dazu beitragen den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Zur Zeit esse ich zu Beispiel echt wenig Fleisch, auch wenn, das kann fast jede/r der/die mich kennt bestätigen, ich ein großer Fleischliebhaber bin. Ist das nur aus klimaschutztechnischen Gründen? Nicht nur, aber es ist ein hübscher Nebeneffekt.

Was mich diese Woche sehr gefreut hat, ist das aber Menschen weltweit für Veränderungen auf die Straße gehen, in Dresden, wo mehr Demonstrant*innen für mehr Klimaschutz unterwegs waren, als selbst PEGIDA zu Hochzeiten selten versammeln konnte, in den anderen Städten Deutschlands, wo die Demos nochmal größer waren, wie in Berlin, aber auch in vielen anderen Orten der Welt, wie hier in Tbilisi, wo vielleicht nur 100 Menschen, inklusive Lillian und mir, sich versammelt haben, die trotzdem Teil der globalen Bewegung sind und die zeigen auch uns ist es wichtig. Das berührendste Bild des Freitags für mich kam aber aus Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, wo junge Menschen unbeeindruckt von fast täglichen Anschlägen demonstriert haben, an einem Ort der definitiv mit anderen Problemen zu kämpfen hat, aber auch ihnen ist das Thema wichtig. Es betrifft uns alle auf diesem Planeten aber ich bin, zumindest noch, zuversichtlich, dass wir die Möglichkeiten haben etwas zu tun, privat, gesellschaftlich und politisch. Auch wenn es vorkommen kann als Verfechter*in einer „Öko-Diktatur“ bezeichnet zu werden oder wenn Fakten aus ihrem Kontext gerissen und in einen anderen gebracht werden um Erderwärmung oder die Sinnhaftigkeit des Handelns in Frage zu stellen. Dass das anstrengend sein kann habe ich selbst erlebt, aber sich davon entmutigen oder einschüchtern zu lassen, halte ich für falsch.

Tbilisi, kleine Demo vor der City Hall

Für mich das Bild der Woche

Fridays for Future Dresden, das Banner meiner Schule

Vielleicht zum Schluss nochmal was zu meinem Wochenende. Am Freitag Mittag bin ich der Empfehlung von Iva zu einer Diskussion über das Verhältnis von Kirche und Staat in Russland, organisiert von der Konrad Adenauer Stiftung, gefolgt. Ein Thema, über das ich vorher noch nie wirklich nachgedacht habe, und was dadurch einfach zur Horizonterweiterung ganz nett war, vor allem wenn Levan, unser Landesmentoren einer der Diskuntanten ist, was ich vorher nicht wusste. Den Samstag Abend verbrachte ich zusammen mit Anna bei Standup Tbilisi, einer kleinen Gruppe, die wie der Name schon sagt, Standup Comedy Abende organisiert, das ganze auch auf Englisch, sodass keine Verständnisschwierigkeiten bestehen. Am Sonntag trafen wir uns dann mit Sofia, die aus Kutaisi für das Wochenende nach Tbilisi gekommen war in einem gemütlichen Café am Rustaveli Avenue zum Frühstückund wanderten danach etwas durch die Stadt, bevor ich mich am Nachmittag zum Fußballspielen verabschiedete. Über Facebook habe ich ein paar Tage eine Fußballgruppe gefunden, die sich sonntags zum freundschaftlichen Kicken trifft, eigentlich genau was ich gesucht habe, auch mit vielen Teilnehmern von Australien über Russland und Libanon bis Kanada. Mir tat es auf jeden Fall gut mal wieder auf dem Platz unterwegs zu sein. Zum Abschluss noch ein paar Bilder meines Frühstücks, warum auch immer…sieht schön aus, vielleicht sollte ich auch Foodblogger werden. 😉

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