No more walls

Ein großes Sorry erstmal, dass es von mir hier im letzten Monat nichts auf dem Blog zu lesen gab. Die zweite Oktoberhälfte und der Novemberanfang sind in einer komischen Mischung aus schnell und langsam vergangen, ich habe meine Wochentage auf Arbeit verbracht, wo aber nicht viel los war und auch die Wochenenden, meistens hier in Tbilisi waren nicht sonderlich spektakulär bzw. lässt sich irgendwie schlecht ein Artikel über Stand-up Comedy schreiben.

Schon vorletzten Freitag konnte ich meinen Geburtstag das erste Mal weg von Zuhause feiern; mit Pizza und Wein und Anna, Lillian, Noémi und Noémis amerikanischem Peace Corps-Freiwilligenkollege Samir aus Ozurgeti. Am Tag darauf konnte, ich auch das Packet von Zuhause aus Deutschland abholen, das beste darin wahrscheinlich das „Studentenküche“-Kochbuch, was bestimmt demnächst zum Einsatz kommen wird.

Das letzte Wochenende musste ich mir allerdings kaum Gedanken über Essen machen, was auch mal schön ist. Der Freitag beinhaltete unser erstes Seminar zur Evaluierung der ersten drei Monate hier in Georgien mit vielen Snacks, Pizza und meinem Kuchen (dank Backmischung aus dem Packet), dessen untersten halben Zentimeter ich nach dem Backen wahrscheinlich als Grillkohle hätte verfeuern können aber nach dem Entfernen war der Rest des Kuchens dann noch sehr gut essbar. Es war definitiv schön auch wieder in großer „Brötchen“-Gruppe zusammen zu sein und die bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen, die doch auch innerhalb Georgiens sehr unterschiedlich sind zwischen Stadt und Land oder Gastfamilie und WG. In diesem Sinne bin ich schon sehr gespannt auf die Geschichten aus den anderen Einsatzländern. Ein Wiedersehen gab es auch mit unserem Ex-Landesmentor Levan, der uns zum gemeinsamen Abendessen beehrte.

Mit offiziellen Terminen war auch der Samstag gefüllt. Das Referat für Entwicklungszusammenarbeit lud zum Mittagessen ein und zusammen mit anderen weltwärts-Freiwilligen anderer Entsendeorganisationen genossen wir das Essen und konnten uns ein bisschen darüber austauschen, was wir so machen und welche Bars und Clubs in Tbilisi empfehlenswert sind, während wir Käse, Brot, Tomaten-Gurken-Salat, Chvischtari (Mais-Käse-Brot) und noch vieles anderes in uns hineinmampften. Nach einer Weile draußen im nahen Park am Nachmittag, machte ich mich auf den Weg zurück nach Hause um mich für den abendlichen Botschaftsempfang zur Feier von 30 Jahren Mauerfall fertig zu machen. Ein Hemd habe ich leider nicht mit nach Georgien genommen, weswegen ich auf dem Weg noch einen kleinen Shopping-Abstecher machte. Sehe ich in dem neuen weinroten Hemd stilmäßig aus wie mein Vater? Vielleicht. Finde ich es trotzdem schick? Definitiv.

Das Event fand im Ballroom des Sheraton-Hotels statt, das mich sonst eher vom Aussehen etwas verstört, da es, vor allem nachts wie ein leuchtender, protziger Palast auf der anderen Flussseite thront aber für diesen Abend war es eben Veranstaltungsort. Etwas komisch war es trotzdem schon am Eingang fühlte ich mich ein bisschen wie am Flughafen mit den aufgestellten Schleusen und Taschenkontrollen, was aber nachvollziehbar ist, wenn der Botschafter und auch die georgische Präsidentin anwesend sind. Nach einem kurzen Walk auf dem roten Teppich und Händeschütteln verkrümelten wir uns dann doch lieber in eine der Ecken des riesigen Saals zum bunten Haufen der anderen Freiwilligen, noch mehr als beim Mittagessen davor, was eine schöne Gelegenheit war noch mehr neue Leute kennenzulernen, die in Georgien oder auch Armenien unterwegs sind. Inmitten der ganzen Anzugträger bei der Veranstaltung müssten wir in unserer Ecke trotzdem ein bisschen aufgefallen sein. Pluspunkt des Abends war auf jeden Fall das Essen mit Schnitzel und Spätzle und als etwas schräges angedachtes Highlight ein Replikat eines Stückes Berliner Mauer, vor dem man sich mit Hammer in der Hand hätte fotografieren lassen können.

Etwas was ich aus dem Abend auch noch mitgenommen habe sind die Worte der georgischen Präsidentin Salome Surabishvili, das der Mauerfall vor 30 Jahren ein Zeichen der Freiheit und der Hoffnung war und auch heute immer noch ist, besonders in einem Land wie Georgien, das immernoch von den Konflikten um Abchasien und Südossetien betroffen ist und wo zwar keine Mauern sein, dafür aber Stacheldrahtzäune, die Menschen voneinander trennen. Dass das auch die Menschen sehr beschäftigt habe ich etwa in Sobissi erfahren können, das nur wenige Kilometer entfernt der de-facto-Grenze zu Süd-Ossetien liegt.

Auch wenn ich zugeben muss, dass mich die Geschichten manchmal doch eher zum Augenrollen bringen, wenn meine Eltern von der DDR und der Wende erzählen und ich mir denke „Geht das schon wieder los?“, finde ich, dass wir sehr dankbar sein sollten für diese Freiheit und Hoffnung, die nicht selbstverständlich ist und wo sich auch wieder der Bogen zum Freiwilligendienst schlägt. Wir haben die Freiheit reisen zu können, für damalige DDR-Bürger nicht selbstverständlich. Wir können zumindest in Ansätzen Hoffnung in die Welt tragen und vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen andere Menschen zu empowern, die Mauern, die für sie existieren abzubauen oder wie es die georgische Nationalhymne, die am Anfang der Veranstaltung gesungen wurde, sagt: „თავისუფლეგა დღეს ჩვენი მომავალს უმღერს დიდეგას.“ (Tavisupleba dghes chveni momavals umghers didebas) – „Heute singt unsere Freiheit von der Herrlichkeit der Zukunft.“ Dazu kam noch die Meldung, dass eine Berliner Initiative ein Stück der echten Mauer, beschrieben mit der Bitte, weiter für den Abbau von Mauern zu kämpfen, nach Washington D.C. geschickt hat, was mich auf eigenartige Weise berührt hat und was mich daran erinnert, dass ich, ihr und eigentlich alle nie damit aufhören sollten Mauern zum Fallen zu bringen, sei es im Privatleben, in der lokalen Gesellschaft oder global.

Schöne Schlussworte eigentlich aber das Wochenende war noch nicht vorbei, denn am Sonntag weihte uns unsere Georgischlehrerin Lela in die Kunst der Khinkalizubereitung ein. Die mit Fleisch, Pilzen, Kartoffel oder anderem gefüllten georgischen Teigtaschen sind gar nicht mal so schwer selbst zu machen, obwohl es sie auch fertig im Supermarkt gibt. Das Zusammenfalten des Teiges ist manchmal etwas umständlich, um wirklich einen vollen Verschluss hinzubekommen, aber es geht. Außerdem haben wir uns noch an Doppeldecker-Khinkali mit zwei gefüllten Kammern versucht, die zwar laut Lela ziemlich selten zu finden sind, aber auch auf eine spaßige Art herausfordernd zu machen sind. Ein paar Bilder davon hat Noémi von mir gemacht, soadass ich euch eine Art kleines Bildertutorial zeigen kann.

Außerdem habe ich noch ein paar Bilder aus dem kleinen Kurort Borjomi im kleinen Kaukasus für euch, wo ich mit Lillian und ihrer Freundin Hannah ein Wochenende verbracht habe, was aber sonst zu kurz war für einen Artikel und ein Bild von dem süßen Kätzchen das unsere Landesmentorin Megi in der Stadt aufgelesen hat und jetzt etwas aufpäbbelt, denn, wie man bei uns in der Familie gerne sagt: „Katzenbilder gehen immer“.

Blick über den Fluss in Borjomi, übrigens die Mtkvari, die auch durch Tbilisi fließt

Ein kleiner Spaziergang durch den Wald (aus 50min des Wegweisers am Rundweg wurden 20min)

Pisa, das Kätzchen

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