Auf Reisen

Etappe 1: Tbilisi – Batumi

Am frühen Donnerstagabend geht es weg von Tbilisi. Auf Arbeit ist wenig zu tun und ich mache mich gegen mittags auf den Rückweg nach Hause um meine Sachen zu packen. Ich ende mit einem ziemlich vollgepackten, großen Rucksack, mit dem ich Angst habe zur Rush Hour in Tbilisi nicht wirklich in den Bus zu kommen. Unten am Berg an der Bushaltestelle angekommen will ich eigentlich einen Bus zur Isani Metro Station nehmen, der lässt aber etwas auf sich warten, weshalb ich, als ich einen Bus der selben Linie aber in der Gegenrichtung sehe, über die Straße stapfe und Richtung Liberty Square bzw. für all die Interessenten der georgischen Sprache „Tavisuplebis Moedani“ fahre, wo sich auch eine Metro Station befindet. Am Liberty Square drehe ich noch eine kurze Runde durch den Supermarkt, um etwas Essen für die Fahrt zu holen und begebe mich dann zur Metro zum Station Square. Am Station Square angekommen, nehme ich den falschen Ausgang, laufe durch eine Art Basar nach oben, überquere den Platz wo eine Menge Marschutkas fahren und treffe dann im Bahnhof auf Lillian, ihrem Kumpel Ali und Anna und wir machen uns auf den Weg zum Bahnsteig.

Um kurz nach halb 6 fährt unser Zug nach Batumi ein. Es ist ein modernes Modell, sehr ähnlich zur Dresdner S-Bahn. Nach dem alle Passagiere ihren Weg ins Zuginnere gefunden haben, geht es dann auch bald los auf die ca. sechsstündige Fahrt in die zweitgrößte Stadt Georgiens am Schwarzen Meer. In der Nähe von Batumi arbeitet unsere Mitfreiwillige Merle, die eine Woche vorher Geburtstag hatte, weswegen wir uns entschlossen haben auf einen überraschungsbesuch vorbeizukommen. Den Plan für die Überraschung besprechen wir teilweise im Zug in dem wir das regnerische Tbilisi verlassen. Draußen ist es leider schon dunkel, weshalb wir von der Landschaft außerhalb des Zuges während der Fahrt leider herzlich wenig mitbekommen. In Batumi angekommen, regnet es auch dort in Strömen und wir suchen möglichst schnell ein Taxi. Die Taxiapp Bolt funktioniert glücklicherweise auch in Batumi und bestätigt uns nicht auf das Angebot eines Taxifahrers am Bahnhof einzugehen, der 10 Lari für die Fahrt in die Stadt anbietet. 6 Lari und 40 Tetri kostet der Weg zum Hostel, wo Anna und ich für die Nacht bleiben. Unterwegs auf der Straße Richtung des Zentrums bietet sich trotz des Regens der Blick auf die berühmt-berüchtigte, bunt beleuchtete Skyline von Batumi und ich versuche mich mit meinem limitierten Georgisch am Gespräch mit dem Taxifahrer. Lillian übernachtet bei den Freunden, die Ali in Batumi besucht und sie ist am nächsten Morgen wieder da.

Am nächsten Morgen erinnert kaum noch etwas an die herabfallenden Wassermassen der letzten Nacht und der Himmel leuchtet im schönsten Blau und nach einem Café-Frühstück mit Nutella-Crêpes bietet sich noch etwas Zeit die Stadt, insbesondere die Strandpromenade zu erkunden und das Meer zu genießen. Auch Ende November sind es an diesem sonnigen Vormittag in Batumi etwa 20°C, was nach dem vorherigen, kalten und nassen Tag sehr gut tut. In den letzten 15 Jahren hat die Stadt eine Vielzahl von Investoren angezogen, wodurch jetzt das Stadtzentrum vor allem durch seine Hotels und Kasinos bekannt ist. Außerhalb der Feriensaison soll in Batumi eigentlich nicht viel los sein, aber ich hatte den Eindruck, dass es definitiv nicht so ausgestorben ist, wie ich erwartet hätte. Es leben eben nicht nur Touristen in der Stadt.

Erster Eindruck von Batumi

Haus im Zentrum

Strandpromenade mit Palmen

Das Schwarze Meer; der Strand ist schwärzer als das Meer

Auf den DNA-förmig angeordneten Spiralen finden sich die 33 georgischen Buchstaben

Riesenrad und Leuchtturm

Etappe 2: Batumi – Keda

Um für den Abend noch Essen vorzubereiten führte uns unser Weg in Batumi in einige Läden, inklusive einer Konditorei mit entsprechenden Torten, um am Abend Essen zu machen, bevor Anna und ich noch unser Gepäck aus dem Hostel holen und wir uns zum Busbahnhof begeben. Am Busbahnhof fragen wir uns zur Marschutka nach Keda durch, finden den entsprechenden Minibus und laden unser Gepäck ein. Da wir lieber Englisch als Georgisch sprechen, werden wir vom Fahrer gefragt ob wir aus den USA kommen, antworten wir mit: „Nein, aus Deutschland“. Es stellt sich heraus, unser Marschutkafahrer ist Merles Gastvater und wir versuchen zu erkläre, dass Merle nichts von unserem Besuch weiß und wir sie überraschen wollen. Er bringt uns nach der Fahrt vom Schwarzen Meer in die herbstlichen Berge der Region Adjarien sogar noch zum Haus von Leonie, eine deutsche Freiwillige einer anderen Organisation, die noch bis kurz vor Weihnachten ebenfalls in Keda arbeitet und die uns bei der Organisation des Überraschungsbesuches vor Ort sehr geholfen hat. Leonie sehen wir kurz noch, bevor sie übers Wochenende mit ihrer Mitbewohnerin nach Tbilisi fährt. Dass sie fährt, wissen wir, Merle aber nicht und Leonie hat sie unter Vorwand eines Filmabends zu sich eingeladen ohne wirklich da zu sein. Während wir das Essen vorbereiten, schreibt Leonie auf ihrem Weg nach Batumi, dass Merle am Abend zu Freunden in ein anderes Dorf fahren möchte. Wieder müssen wir uns eine Ausrede einfallen lassen. Leonie kommt zum Glück auf die Idee Merle zu schreiben, dass das Auto, in dem Merle hätte mitfahren können, kaputt ist. Nochmal werden wir ein bisschen später erschreckt, als Noémi, die aus Ozurgeti hergekommen ist, ohne Vorwarnung hereinkommt. Nur Sofia fehlt jetzt noch aber sie musste in ihrer Stelle in Kutaissi bis nachmittags arbeiten und kommt später.

Kurz vor 8 kommt dann Merle in Erwartung eines Filmabends mit Nudeln und Kürbissoße durch die Tür und wir hören nur: „Was macht ihr denn hier?“. Tja, es wird halt eben kein Filmabend, sondern eine nachträgliche Geburtstagsparty mit Risotto und Schokotorte. Später stößt dann auch Sofia noch zu uns. Auch sie hat es bis Keda geschafft und so sind wir als gesamte Georgienfreiwilligengruppe wieder alle am selben Ort und es werden mal wieder Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht. Später kommen auch georgische Freunde von Merle aus Keda und der Nachbar zu unserer Runde dazu und wir halten reihum Trinksprüche auf das nachträgliche Geburtstagskind, unsere gesamte Runde, die georgisch-deutsche Freundschaft und vieles mehr. Merles Gastvater hat uns übrigens nicht verraten, sondern nur unter Grinsen gefragt: „Gehst du dann zu Leonie?“

Am nächsten Tag begeben wir uns zusammen mit Ruth, einer Schweizerin, die ebenfalls in Keda wohnt, und ihren Hunden auf eine kleine Wanderung am Berg. Einige der 5 Hunde können wir auch an der Leine führen, während wir uns in Serpentinen am Berg hochschlängeln und Ruths Pitbullmischling Mimi sich die Seele aus dem Hals bellt. Wie schon der Weg vorher bietet auch die Lichtung, auf der wir schließlich ankommen eine phänomenale Aussicht auf die teilweise schon schneebedeckten Berge rund um Keda. Auf der Lichtung bellt Mimi dann ihr eigenes Echo aus dem Wald an und lässt sich zwischenzeitlich nur von Merle etwas beruhigen. Ich hoffe nur, dass bei dem Ausflug keine Trommelfelle gelitten haben.

Blick in die Berge

Pause mit Hunden

Rückfahrt nach Batumi

Am Sonntagmorgen verabschiedeten wir uns wieder aus Keda und machen uns auf den Rückweg. Die Fahrt begleitet uns das Um aber die adjarische Küche nochmal auszukosten begaben wir uns zurück in Batumi noch in ein Restaurant mit Adjaruli Chatschapuri, einer um ein gefühlt Vielfaches, gehaltvolleren Version des georgischen Käsefladens mit zusätzlichen Eiern und Butter. Ich hab meins nicht ganz geschafft…

Etappe 3: Batumi – Ozurgeti

Nach dem Essen geht es zurück. Sofia nach Kutaissi, Merle nach Keda und Anna und Lillian nach Tbilisi. Ich mache mich aber noch nicht auf den Rückweg in die Hauptstadt, sondern begleite Noémi nach Ozurgeti um ihren Einsatzort kennenzulernen. Also ab in die Marshutka nach Ozurgeti, die zum Glück nur etwa eine Stunde fährt und nicht den ganzen Weg zurück nach Tbilisi. Entlang des Schwarzen Meeres und schließlich etwas ins Land hinein führt. Ich hätte gedacht, dass Ozurgeti etwas mehr in den Bergen liegt aber tatsächlich befindet sich der kleine Ort noch in der Küstenebene und nur in einiger Entfernung erheben sich die Berge des westlichen Kleinen Kaukasus. Etwas Schnee liegt bereits auf den Gipfeln in der Ferne und die Fotomotive für eine Kombination mit dem verschneiten Bergmassiv im Hintergrund finden sich reichlich. In Ozurgeti angekommen laufen Noémi und ich an die Straße, die in das kleine Dorf Dvabzu führt in dem Noémis Gastfamilie lebt. „Mal sehen, ob wer der mich kennt uns mitnehmen kann“, meint Noémi. Ein paar Minuten später rollt Giorgi, ihr Gastvater im Auto vorbei und nimmt uns mit. In Dvabzu darf ich dann auch den Rest der Familie kennenlernen, Marika, Noémis Gastmutter, die auch gut deutsch spricht, die beiden kleinen Töchter Elene und Tekla und Giorgis Mutter Tina.

Um noch ein bisschen die Umgebung kennenzulernen führt mich Noémi noch etwas durchs Dorf und im Flussbett entlang. Am Fluss ist es manchmal eine Herausforderung trockenen Fußes über ein paar kleine Teilflussläufe zu kommen, was nicht immer gelingt. Den Abend verbringe ich dann mit Noémis Gastfamilie, hauptsächlich mit Essen. Im Fernseher laufen nebenbei die Bilder der großen Demonstrationen gegen die amtierende Regierung in Tbilisi. Mehr Informationen zu den Protesten finden sich z.B. hier: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-11/georgien-tbilissi-proteste-wahlsystem-reform . Die Fernsehbilder begleiten auch die nächsten Abende. Den Montag verbringe ich zum Teil im Café von YPU (Young Pedagogues Union), wo Noémi arbeitet und mit dem erkunden der Kleinstadt. Im Vergleich zu Tbilisi ist es wirklich ein kleines Nest, was aber definitiv eine Abwechslung zum sonstigen Trubel der Hauptstadt ist. Trotzdem steht in Ozurgeti ein großes Theatergebäude und auch der Bahnhof kann sich, trotz dass er weitestgehend leer steht, sehen lassen.

Angekommen in Ozurgeti

Unterwegs am Fluss

Kirchgelände mit Bergen im Hintergrund

Basar

Theater in Ozurgeti

Café Rvas + 1 (8+1)

Am Dienstag helfe ich dann Noémi bei der Vorbereitung für ihr Programm im Altersheim von Anaseuli. Ein spanisches Lied unterläuft unserer Umdichtung in eine georgische Version, die erstaunlich einfach geht und für die wir nichteinmal so viele neue Vokabeln durch Google Translate jagen müssen. Am Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg in das kleine, halb verlassene Dorf, das mit der Marshutka etwa 10 Minuten entfernt liegt. Bevor wir aber das Altersheim besuchen, erkunden wir noch etwas den Ort und dessen alte Gebäude, denen eine gewisse Faszination innewohnt. Es werden auch nicht die letzten verfallenen Gebäude auf meiner Tour sein, soviel sei jetzt schonmal verraten. In einer Art Hinterhof finden wir auch eine umgekippte Lenin-Statue, die wie ich finde auch ganz gut nach Chemnitz neben den Marx-Kopf passen würde. Es ist aber definitiv spannend zu versuchen herauszufinden, wozu die alten Gebäude einst dienten. Wahrscheinlich war Anaseuli zu Sowjet-Zeiten ein Standort für botanische Forschung schlussfolgern wir beim Spaziergang. Im Altersheim spielt Noémi dann zuerst die spanische Version des Liedes und lässt die Senioren raten woher die Musik kommt. Später präsentieren wir auch die georgische Version und versuchen die Senioren zum Mitsingen anzuregen, was leider nicht ganz funktioniert hat.

Etappe 4: Ozurgeti – Kutaissi

Am Mittwochmorgen geht es für mich weiter Richtung Kutaissi. Bevor ich Ozurgeti wieder verlasse scannt sich Noémi noch mein Georgischzeug ein, aber kurz darauf verabschieden wir uns dann und ich setze mich mal wieder in die Marshutka. Die Straße Richtung Kutaissi soll angeblich durch die vielen Kurven nicht die tollste sein aber ich genieße die Fahrt durch die Hügelketten Guriens, die herbstlichen Wälder, ein paar Wiesen und im Hintergrund immer wieder der Kleine Kaukasus. Ein besonderer Blick bietet sich dann kurz vor Sajavakho, wo die Straße aus den Bergen kommt und sich der weite Blick über die Kolchische Tiefebene öffnet. Die tiefhängenden Wolken über dem Rioni, der die Ebene durchfließt, verleihen dem Anblick etwas Mystisches. Die Mystik verlässt die Fahrt aber bald wieder, denn auf den großen Straßen mit einigen wichtigen Wegpunkten auf der Ost-West-Trasse durch Georgien liegen hier auf dem Weg. Durch Samtredia und vorbei am Flughafen von Kutaissi, von wo Wizzair recht billig viele Ziele in Europa anfliegt (Tipp für alle Reiseinteressierten), lande ich schließlich in Kutaissi. Kurz vor Ankunft jage ich noch ein paar Sätze durch Google Translate, denn ich habe nur noch 50 Lari einstecken und möchte den Fahrer fragen, ob er diese für die 7 Lari-Fahrt wechseln kann. Kann er zum Glück. Trotzdem fährt er kurz noch ein Stück, bevor ich ihn darauf aufmerksam machen kann, dass mein Rucksack noch im Kofferraum liegt. Wenige Momente später habe ich dann auch meinen Rucksack wieder und wecke damit die Aufmerksamkeit der Taxifahrer. Mit einem führe ich kurz etwas Smalltalk auf Georgisch, im Rahmen meiner Möglichkeiten, mache mich dann aber bald zu Fuß auf den Weg zu Sofias Büro in der Stadt, da ich nach der Fahrt etwas Bewegung brauche. Um meinen Hunger zu stillen, es ist ja quasi Mittagszeit, hole ich mir noch in der Nähe des Busbahnhofes eine Shawarma (recht ähnlich zu Döner) und stapfe dann los.

Nach ca. 30 Minuten Fußweg treffe ich am Büro von Sofias Partnerorganisation Fund Sokhumi ein, wo sie noch etwas mit Arbeit beschäftigt ist, ich aber meinen Rucksack da lassen kann, um noch einen Ausflug ins Stadtzentrum zu unternehmen. Das graue, leicht regnerische Wetter lädt zwar nicht unbedingt dazu ein aber ich will auch was von der Stadt sehen. Über die White Bridge mit ihren im Metallboden eingelassenen Ornamenten und Glasplatten spaziere ich Richtung Innenstadt und bewundere das leuchtend blaue Wasser und die Felsstrukturen des Rioni. Über der Stadt auf einem Hügel thront die Bagrati-Kathedrale mit ihren türkisgrünen Dächern und fängt so meine Aufmerksamkeit. Nach einem kleinen Anstieg gelange ich dann auf den Hügel um das Gelände und die Kirche selbst zu bewundern. Auf einer Infotafel nahe des Eingangs lese ich, dass die Bagrati-Kathedrale auch erst vor kurzem wieder komplett rekonstruiert wurde, was mich an die Frauenkirche in meinem heimatlichen Dresden denken lässt. Während ich über die Wiese rund um das Gotteshaus schlendere, such ich nach den besten Fotowinkeln und versuche bei der Aussicht über Kutaissi in der anderen Blickrichtung meinen Weg zu rekonstruieren. Am EIngang der Kirche unterhalte ich mich kurz mit einem Touristenguide, lehne seine Führung aber dankend ab, da ich nicht die Zeit daür habe. Auf meinem Weg nach unten und dann weiter durch die Stadt, finde ich noch einige schöne Ecken in der sonst recht funktionalen Stadt, bevor ich wieder zurück zu Sofias Büro laufe. Dort angekommen, schnappe ich mir meinen Rucksack und gehe mit Sofia zur Wohnung von Philipp, der als Fachkraft von Brot für die Welt in Kutaissi arbeitet und wo ich übernachten kann. Philipp habe ich schon bei zwei Treffen in Tbilisi kennengelernt und wir hatten bisher immer viel Spaß, ihm (aufgrund seines BWL-Studiums) oder anderen scherzhafte kriminelle Machenschaften zu unterstellen, weswegen ich ihn dann auch, als er später nach Hause kommt mit einem „Ich dachte, wir brechen mal beim Verbrecher ein“, begrüße. Zum Abendessen kommen dann auch noch Sofias Kollege Benedikt, ebenfalls Brot-Fachkraft, und seine Familie vorbei und wir verbringen den Abend zusammen mit Reis, Ofengemüse und lustigen Gesprächen, in denen jedem gerne mal das Wort im Mund umgedreht wird, was aber super lustig ist und in keinster Weise böse gemeint.

Die White Bridge (Tetri Khidi)

Plastik auf dem Geländer und Karstformationen am Rioni

Bagrati-Kathedrale

kleiner seperater Turm an der Kathedrale

Kontrast zwischen der Kathedrale auf dem Hügel und einem Wohnblock

Plastik am Meskhishvili-Theater

Am nächsten Tag führt mich dann mein Weg nach Zqaltubo, ein Ort der nicht nur von der Aussprache interessant ist (gesprochen etwa: Tskchraltubo) und den Philipp mir am Abend zuvor als Ausflugsziel empfohlen hat.

Das kleine Städtchen etwa 20 Minuten von Kutaissi entfernt war zu Zeiten der Sowjetunion ein beliebter Kur- und Erholungsort, weswegen dort eine Menge alte Hotels zu finden sind, die jetzt aber zum Großteil leerstehen und langsam verfallen. Manche der alten Anlagen werden von sogenannten IDPs (Internally Displaced People, Vertriebene aus Abchasien) bewohnt aber die meisten sind dem Verfall preisgegeben. Da ich Mittags wieder zurück in Kutaissi sein möchte, schaffe ich es leider nur das Sanatorium Iveria zu erkunden. Das alte Hotel steht am Nordende des Ortes und ist eigentlich von einem Metallplattenzaun umgeben, der mich aber nicht vom Betreten des Gebäudes abhält. Etwas versteckt im Gebüsch an einer Mauer, die das Gelände von dem des nächsten Hotels trennt, finde ich eine gute Einstiegsstelle und schleiche mich in das Gebäude. In den verfallenden Gängen fühle ich mich etwas wie ein Charakter aus einem Videospiel. Ich schleiche über den alten, teilweise etwas aufgebrochenen Dielenboden, stöbere durch die alten Zimmer und wundere mich, dass fast jedes Zimmer eine eigene Balkonbrüstungsgestaltung besitzt. Bisher bin ich durch den ersten Stock des Südflügels gegangen, wende mich aber bald in den langen Korridor, der durch den Mittelteil führt. Im Zentrum des Hotels befindet sich über der Eingangshalle ein Deckendurchbruch bzw. für mich eine Öffnung im Boden. Im großen Treppenhaus leuchtet noch die blaue Farbe an den Wänden, im Gegensatz zum Himmel, der sich weiterhin wolkenverhangen grau präsentiert. Weiter durch den Korridor gelange ich an einen großen, halboffenen Raum, von dem ich vermute, dass er einst Speisesaal war, wo ich aber auch auf einige Farbeimer treffe, die noch recht neu aussehen, weshalb ich meinen kleinen Rundgang mit etwas mehr Adrenalin im Körper und der Erwartung auf andere Menschen zu treffen fortsetze. Die Gänge bleiben aber menschenleer, während ich das Erdgeschoss durchlaufe. Kurz darauf mache ich mich auch schon wieder auf den Rückweg nach Kutaissi. Ich verlasse das Sanatorium, klettere über die Metallplatten und schleiche zurück zur Straße, wo ich die nächste Marshutka abpasse.

Das Sanatorium Iveria

Hier geht es ins Gebäude

Im Flur des Südflügels

Das Treppenhaus

Der „Speisesaal“

In Kutaissi schaue ich dann noch eine Weile bei Sofia vorbei, bevor ich mich schon langsam ans Zusammenpacken mache. Nachdem ich noch etwas Zeit damit verbracht habe bei Philipp durch einen Wanderführer zu stöbern, schnappe ich mir meinen Rucksack, bringe Sofia den Schlüssel vorbei und verabschiede mich Richtung Busbahnhof, wo ich die nächste Marshutka nach Tbilisi nehme. Die etwa vier Stunden Minibusfahrt sind auf ihre eigene Weise anstrengend, sodass ich froh bin abends im Dunkeln in Didube (Metrostation und Abfahrts-/Ankunftspunkt für viele Marshutkas) anzukommen, dann noch schnell in den nächsten Supermarkt für ein paar Nudeln und das Frühstück für den Freitagmorgen, an dem ich dan wieder im Büro bin, holen und dann noch mit Metro und Bus einmal quer durch die Stadt nach Hause tingeln.

Abschied aus Kutaissi

2 Kommentare zu „Auf Reisen

  1. Lieber Alwin,schön, wieder was zu lesen, aber jetzt schlafe ich erstmal, denn morgenfrüh gehts  zeitig los und ich werd aus dem Krhs entlassen. Hatte einen Unfall mit  dem Bus, wurde am Mittelfuß operiert und jetzt darf ich wochenlang nicht belasten, bis es geheilt ist. Da ist Abwechslung durch deinen Bericht willkommen… Außerdem ist ja auch noch Weihnachten-zum Fremdwort geworden… Alwin,genieße es mit gesunden Füßen in der Welt rumzustapfen um Neues zu erkunden.es ist nicht selbstverständlich… Wir warten jetzt ein bischen darauf, dass in Frieders Familie das Christkind zur Welt kommt… Sohab ich seit 2Wochen keine Langeweile gehabt… Heute kam Mirjam,nachdem sie gestern bei GV die Krippe aufgestellt hatte. Mein Akku streikt,ichsag dir gute Nacht.Wie lang braucht diese  Nachricht zudir ?GLWeihnachtsgrüße von Elisabeth

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