Sobissuri

Erstmal möchte ich mich entschuldigen, dass jetzt erst der nächste Beitrag kommt. Seit dem letzten ist ja ein wenig Zeit vergangen aber irgendwie hat es sich für mich nicht angefühlt, als wäre viel passiert, was vielleicht daran liegt, dass ich mittlerweile irgendwie einen relativ ruhigen, entspannten, aber auch manchmal ereignislosen Alltag gefunden habe und irgendwie auch wenige Ereignisse besonders berichtenswert waren. Allerdings gab es trotzdem einige interessante schöne Tage, vor allem in Sobissi im Sobissuri-Projekt. Vielleicht fange ich aber trotzdem mit ein paar kleineren Sachen an, die ich erzählen kann. Ich durfte endlich meinen Chef David kennenlernen, der die Zeit davor in Svanetien verbracht hat und mit dessen Anwesenheit auch meine Arbeitsmöglichkeiten gestiegen sind, was auch Hannes, mein Vorgänger, mit ähnlichen Erfahrungen bestätigt hat. Mit David konnte ich dann auch etwas detaillierter besprechen, welche Aufgaben ich übernehmen kann und die folgende Woche verbrachte ich zwei Tage in Sobissi.

Am erste Tag dort konnte ich ein bisschen der Bohnenverarbeitung zuschauen und mit David besprechen, was am Haus und der Einrichtung noch verbessert werden könnte, da EthicFinance einen Förderungsantrag bewilligt bekommen hat und nun Geld zur Verfügung steht um das Sobissuri-Projekt weiter zu verbessern, nachdem ich mich, um David zu treffen, die Stadt bis zur Metrostation Didube durchquerte. Didube hatte ich beim ankommen dort das Gefühl, ist eine eigene kleine Welt für sich, schon beim Verlassen der Station bekommt man Fahrten nach Kazbegi, Kutaisi oder Batumi angeboten, der Vorplatz ist voll von Essensständen oder Souveniershops und ich fühlte mich ein bisschen wie einige hundert Kilometer nach Osten versetzt, ins Zentralasien, wie ich es mir vorstelle.

Beim nächsten Besuch am Freitag (27.09.), kamen wir in großer Runde nach Sobissuri, David und seine Frau, drei deutsche bzw. schweizer Freunde von David, Toko und ich. Davids Freund Volker und ich kümmerten uns um die Traubenernte im Hof, wo die Trauben in rauen Mengen, manchmal allerdings von der Sonne schon in Richtung eines Rosinenzustandes gebracht, hingen. Den größten Teil des Tages verbrachte ich wahrscheinlich auf dem Dach des Lieferwagens von Sobissuri-Mitarbeiter Gia, um die hochhängenden Trauben zu erreichen, bis ich nach gefühlt vielleicht 20 Kilo geernteten Trauben mit weinrot-saftgefärbten Händen vom Lieferwagen kletterte.

Auf dem Dach des Lieferwagens

Traubenausbeute

Aufgrund der hohen „Besucherzahl“ kam es dann dazu, dass wir am Abend mit den MitarbeiterInnen und Gästen eine Supra, das große georgische Essen bzw. die georgische Tafel, veranstalteten mit Grillschaschlik, Brot, Jonjoli, Lobio (Bohnen), Tomaten-Auberginen-Mischung und natürlich viel Wein. Mit Volker, der durch seine georgische Frau auch ganz gutes georgisch spricht, als Tamada (Tischführer), der die Trinksprüche hält, die ein wichtiger Teil des Essens sind, kamen wir auch nicht zu selten zum Genuss des, natürlich auch im Projekt hergestellten Weines, was aber bei der Menge an Essen etwas abgemildert wird. Es war für mich auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung, eine Supra mitzuerleben und ich finde es sehr interessant welche Bedeutung etwa den Trinksprüchen zukommt, um sich z.B. an Verstorbene zu erinnern, Lebensweisheiten zu vermitteln oder auch den Krieg mit Russland 2008 zu rekapitulieren, was im Dorf nahe der de facto Grenze zu Süd-Ossetien nochmal eine besondere Bedeutung bekommt. Nach viel Essen, 8l Wein für 11 Personen und vielen Geschichten ging es dann langsam zurück nach Tbilisi. Volker verbrachte, sichtlich angetrunken, die Fahrt schlafend auf der Rückbank von Tokos Auto. Das Essen mit den Fachkräften von Brot für die Welt in Georgien und den anderen Freiwilligen am selben Abend habe ich dadurch leider verpasst, ein paar habe ich trotzdem noch auf einen Drink getroffen.

Tischgesellschaft (v.l.n.r. David, ich, Gia, Volker, Rolf und Andrea (Davids Schweizer Freunde), Marie (Davids Frau); nicht wirklich im Bild: die Sobissuri-Mitarbeiterinnen und Toko, der das Bild geschossen hat)

Drinks durften auch am nächsten Abend in der Dive Bar nicht fehlen, wo ich meinen alten Bekannten Giorgi (den Zweiten) mal wiedertreffen konnte und wir gemeinsam Lillian mit einer guten Portion Sarkasmus auf die Nerven gehen konnten 😉 .

Den nächsten Tag, den ich in Sobissuri verbrachte war der vergangene Mittwoch. Am Tag davor bekam ich Abends einen Anruf von David, da eigentlich nur geplant war einige Kästen Saft in Tbilisi auszuliefern aber eine ganze Menge Äpfel haben den Weg in den Hof von Sobissuri gefunden und mussten verarbeitet werden, weswegen ich mich wieder früh auf den Weg durch die Stadt machte um von Toko in Didube aufgegabelt zu werden. Angekommen musste ich erstmal über den gigantischen Haufen Äpfel staunen aber schon bald konnte die Verarbeitung beginnen, aber erst nach einer kurzen Teepause. Anfangs hatten wir zwar etwas Probleme mit der Obstmühle, die mein Arbeitsplatz für den Tag darstellen sollte, aber nach kurzer Reinigung und dem anschließenden Anlaufen lassen schnurrte sie wie ein Kätzchen. Nach dem Aussortieren und Waschen landeten die Äpfel dann in großen Eimern oder Kisten bei mir an der Kernobstmühle oder wie ich die gerne nenne, den Schredder. Den ganzen Tag Äpfel in den Trichter zu schmeißen und unten die Apfelmaischekisten zu füllen mag zwar eintönig klingen aber irgendwie muss ich sagen, dass es auch Spaß macht, vielleicht weil ich das Gefühl habe am Ende Teil der Produktionskette eines fertigen Produktes zu sein. Nach dem schreddern landete die Maische dann in der Saftpresse und nach dem nochmal durchsieben und dem Erhitzen landet der Apfelsaft auch schon in seinen Flaschen. Etwa 150-160l Apfelsaft haben wir an diesem Tag hergestellt und ich hatte die Gelegenheit Lillian und Lela am Abend beim Sprachkurs eine frische Flasche Apfelsaft anzubieten.

Eine ganze Menge Äpfel

Vom Waschen…

…in den Schredder…

…und ab in die Kiste

…von da zur Presse…

…und rein in die Flaschen.

So…das wars erstmal so mit dem Statusupdate und mit den Erlebnissen die ich so in den letzten doch schon zwei Wochen hatte. David ist wieder in Svanetien, weshalb ich wieder bisschen sehen muss, wo und was ich an Arbeit finde aber so bleibt mir zumindest etwas Zeit zum Blog schreiben. Mal sehen ob es am nächsten Wochenende raus aus Tbilisi in die Berge geht um nochmal den bisher recht warmen und sonnigen Oktober zum Natur genießen und Wandern zu nutzen. Dann hätte ich auch wieder etwas, worüber ich lieber schreibe als über meinen Arbeitsalltag. Den Versuch einer Wanderung zum Kasbek habe ich zwar schon angesprochen aber kommt wahrscheinlich dann eher nächsten Sommer 😉 .

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